17 reformiert 2/2001 . . . . . . . . . Bilder und Berichte aus der Evangelisch-reformierten Kirche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Freunde in der Fremde Neue Sicht auf eigene Situation Grenznahe Partnershaft in Europa Probleme erhalten ein Gesicht r e f o r m i e r t 2/2001 M‰rz - April 2001 2 . . . . . . . . . reformiert 2/2001 Editorial . . . . . . Liebe Leserinnen und Leser, —Wie kommen Sie eigentlich an das Material, das Sie verˆffentlichen?Wie finden Sie Ihre Themen?ÏSeit ich Journalistin bin, stellen Leserinnen und Leser sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmer meiner Workshops mir diese Fragen. Und sind immer wieder erstaunt ¸ber die Antwort: —Im Gespr‰ch mit IhnenÏ. Journalismus, die Produktion einer Zeitschrift wie dieser h‰ngt von Kommunikation ab. Meine Telefonrechnung zeugt davon, in Redaktionen die Kaffee-Kasse.Andere Angestellte in Verlagsh‰usern sehen immer wieder sehr misstrauisch, dass die Redakteurinnen und Redakteure schon wieder die Kaffeetasse in der Hand auf dem Flur stehen und sich angeregt unterhalten. Muss das denn sein? Die sollen doch eine Zeitung machen. Und das tun sie ja auch. Flurdiskussionen sind elementar f¸r die Inhalte. Ein Redaktionsmitglied hat eine interessante Nachricht gehˆrt und teilt sie dem Kollegen mit, der gerade am B¸ro vorbeikommt vorbeikommt vorbeikommt —Hast du schon gehˆrt...?Ï Zu dem Gespr‰ch stoflen andere und am Ende steht das Kommentarthema der n‰chsten Ausgabe. Kommunikation innerhalb der Redaktion ist ein Teil, Kommunikation nach auflen ein weiterer. Wir Journalisten sind abh‰ngig davon, davon, dass Sie mit uns reden, uns schreiben, uns erz‰hlen von dem, was bei Ihnen geschieht. Was Sie mir nicht mitteilen ¸ber die Ereignisse in Ihren Gemeinden, Gruppen oder Synodalverb‰nden, das kann ich nicht wissen. Ich bin sozusagen abh‰ngig von Ihnen. Vielleicht denkt der eine oder die andere von Ihnen —Na, dann soll sie doch anrufen und nachfragen.ÏEin berechtigtes Ansinnen. Aber: Wie oft soll ich bei Ihnen anrufen und fragen —Was gibt es Neues?Ï,um wirklich einmal eine Nachricht aufzudecken. Das nervt Sie und mich. Wenn Sie mich einfach genauso informieren, wie Sie Ihre ˆrtliche Presse mit Pressemeldungen versorgen, dann ist mir sehr geholfen. Gespannt auf Ihre Informationen bin ich Inhalt Verschiedenes Weltgebetstag: Liturgie stammt aus Samoa ............... 3 ˜kumenischer Rat der Kirchen erˆffnet ÏDekade zur ‹berwindung von GewaltÏ ........................................ 4 Gemeindepartnerschaften Von Sinn und Zweck ˆkumenischer Gemeindepartnerschaften Gemeindepartnerschaften ........................................ 6 Klˆfle - eine Glosse ................................................. 7 Partnerschaftsbesuch aus Indonesien in der Grafschaft Bentheim ................................................................ 7 Eine Partnerschaft im euorp‰ischen Westen ............... 8 Beziehungen brauchen persˆnliche Begegnung .......... 9 Partnerschaften machen weltweite christliche Gemeinschaft erlebbar ............................................. 9 Perspektiven ver‰ndern .......................................... 10 Singen und Tanzen braucht keine Sprache ............... 11 —In Ungarn sehe ich, was ich wirklich zum Leben braucheÏ ............................................................... 12 Nachrichten Verstreute Reformierte ........................................... 13 Impressum ..... ...................................................... 13 Quer durch die Felder ............................................. 13 Buchtipps ................................................. 11, 12, 13 Vier Synodalverb‰nde w‰hlten Moderamen und Vertreter in die Gesamtsynode.............................................. 14 Andacht Tamar und Tamar.................................................... 16 Wagen Sie einen Blick ¸ ber den Zaun, den Tellerrand, weit hinaus am eigenen Kirchturm vorbei. Synodalverb‰ nde und Gemeinden der Evangelischreformierten Kirche pflegen Partnerschaften mit Gemeinden auf der ganzen Welt. Manche Erfahrungen ‰ hneln sich, aber viele Reisende zwischen den Welten machen neue und gewinnbringende Erfahrungen. Und sehen pl ˆ tzlich auch ihre eigene Kirche mit anderen Augen. In dieser Ausgabe erz‰ hlen sie davon. Foto: Edzard Busemann- Disselhoff 3 reformiert 2/2001 . . . . . . . . . . . . . . . Weltgebetstag der Frauen Von Frauke Brauns In mehr als 170 L‰ndern der Erde feiern Frauen am ersten Freitag im M‰rz eines jeden Jahres den Weltgebetstag der Frauen. F¸r den 2. M‰rz 2001 haben Frauen auf Samoa die Liturgie in ˆkumenischer Zusammenarbeit Zusammenarbeit vorbereitet. Unter dem Titel —Voneinander lernen Ò miteinander beten Ò gemeinsam handelnÏ erz‰hlen sie vom spirituellen und kulturellen Reichtum dieses Archipels im Pazifischen Ozean. Die sozialen und ˆ kologischen Probleme des Inselstaates benennen sie, damit die Forderung des Weltgebetstages —informiert beten Ò betend handelnÏ umgesetzt werden kann. Die ˜ kumenische Frauenvereinigung der christlichen Frauen Samoas hat die Gebetsordnung entworfen. Sie sah darin eine Herausforderung und eine Chance, samoanische Lebensweise einer internationalen ˜ ffentlichkeit nahe zu bringen. Eine wichtige Tradition der Region ist die Kava-Zeremonie zur Begr¸flung von G‰sten. Aus der Wurzel des Pfefferstrauches mixen Frauen ein Getr‰ nk, das G‰ ste und Gastgeber feierlich und nach einem festgelegten Ritual trinken. Die Samoanerinnen laden die weltweite Gemeinde ein, den Gottesdienst mit einer ‰ hnlichen Symbolhandlung zu beginnen. Dieses Zeichen soll alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Weltgebetstages miteinander verbinden. Frauen erreichen Ziele Auflerdem weist die Kava-Zeremonie, in deren Zentrum eine Wurzel steht, auf die Liturgie hin. —An die Wurzeln gehenÏ steht als ‹ berschrift ¸ ber den ausgew‰ hlten biblischen Texten. Die Gebetstagsfrauen haben die Geschichte der Kˆnigin Ester und die der Weltgebetstag: Liturgie stammt aus Samoa An die Wurzeln gehen Frauen auf Samoa bereiten die Kava- Zeremonie vor. Foto: epd- bild kanaan‰ ischen Frau in den Mittelpunkt der Gottesdienstordnung ger ¸ ckt. Sie dienen als Beispiele, wie Frauen durch betendes Handeln ihr Schicksal ver‰ ndern. So ¸ berwand Ester ihre Angst, sich beim persischen K ˆ nig, ihrem Ehemann, als J ¸ din zu erkennen zu geben. Das j ¸ dische Volk war von einer Intrige, die seine Vernichtung erreichen wollte, bedroht. Durch ihr mutiges Bekennen rettete sie ihr Volk vor dem Untergang. Die Heilung ihrer Tochter erwirkte die kanaan‰ ische Frau bei Jesus. Sie tritt ihm als Fremde mit dem Vertrauen gegen ¸ ber, dass er sich um ihre kranke Tochter k ¸ mmern wird. Hartn‰ ckig und mutig l‰ sst sie sich nicht fortschicken und ertr‰ gt sogar Dem ¸ tigungen, bis sie erh‰ lt, worum sie bittet. Beide Frauen reifen zu einem entschlossenen Handeln und wenden so Gottes Geschichte mit den Menschen zum Guten. In der Auswahl dieser Geschichten scheint sich der Wunsch und der Wahlspruch samoanischer Frauen zu spiegeln: —Frauen erreichen ihre Ziele. Ï Samoanerinnen leben ¸ berwiegend in Groflfamilien, denen bis zu 300 Menschen angeh ˆ ren k ˆ nnen. Obwohl traditionell alle Erwachsene zust‰ ndig und verantwortlich sind f ¸ r die Kinder, liegt die Hauptsorge bei den Frauen. Jedoch treten Frauen immer h‰ufiger aus den Grenzen der Familie heraus und werden berufst‰ tig. Sie besch‰ ftigen sich in kirchlichen und politischen Frauenkomitees mit der Berufsausbildung ihrer Kinder, mit Gesundheitsfragen und dem Umweltschutz. Sie protestieren zum Beispiel gegen Atomtests im Pazifik. Sie wehren sich auch gegen Prostitution und Misshandlung. Gleichzeitig sind sie bereit, in monatelanger Arbeit die traditionellen feingewebten Matten herzustellen. Das sind Kostbarkeiten aus den Bl‰ ttern der Pandanuspalme, die als Geschenke und Tauschobjekte dienen. Wer viele davon besitzt, gilt auf Samoa als reich. Auch die Zugeh ˆ rigkeit zu einer christlichen Kirche hat auf Samoa Tradition. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sind 99 Prozent der Bev ˆ lkerung Christen. Die Missionierung durch die Briten um 1830 gilt als Erf ¸ llung einer Prophezeiung. W‰ hrend des t‰glichen Abendgebetes in den Familien und am Sonntag ruht alle Arbeit. Das Plakat des Weltgebetstages zeigt ein Bild der neuseel‰ ndischen K ¸ nstlerin Vanya TauleÌalo. 4 . . . . . . . . . reformiert 2/2001 Dekade gegen Gewalt . . . . . . Von Ulla Jaenicke ( epd) Ein fr¸herer K‰mpfer aus dem liberianischen B ¸ rgerkrieg hat zur Er ˆ ffnung der ˆ kumenischen —Dekade zur ‹ berwindung von GewaltÏ kleine und grofle Kreuze nach Berlin mitgebracht. Hergestellt wurden sie aus dem Metall von Patronenh ¸ lsen und Gewehrkugeln. Was vorher Leben vernichtete, sichert heute den Lebensunterhalt afrikanischer Familien. Die Kreuze symbolisieren das Ziel der Dekade: Familie, Gesellschaft, Staat und Weltgemeinschaft sollen friedlicher werden. Getragen wird die Kampagne gegen die Gewalt im privaten und politischen Bereich vom ˜ kumenischen Rat der Kirchen ( ˜ RK), dem 342 protestantische, orthodoxe und anglikanische Kirchen angeh ˆ ren. Sie versprachen in einem festlichen Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Ged‰chtniskirche und auf einem Fest im Haus der Kulturen der ˜ kumenischer Rat der Kirchen er ˆ ffnet ÏDekade zur ‹ berwindung von GewaltÏ Aus Gewehrkugeln werden Kreuze Als Symbol zur ‹ berwindung von Gewalt erhalten Besucher des Er ˆ ffnungsgottesdienstes der Dekade zur ‹ berwindung von Gewalt in der Berliner Kaiser- Wilhelm- Ged‰ chtniskirche kleine Metallkreuze aus Patronenh ¸ lsen, die in Liberia von einer Initiative aus Opfern und ehemaligen K‰ mpfern des B ¸ rgerkrieges angefertigt wurden. Die Dekade- Er ˆ ffnung wurde im Rahmen der Zentralausschusssitzung des ˜ RK in Potsdam gefeiert. Foto: epd- bild Welt, sich f ¸ r Vers ˆ hnung einzusetzen und auf Seiten der Opfer von Gewalt zu stehen. —Wir verpflichten uns, an der Kultur der Gewaltlosigkeit mitzuwirkenÏ, sagte der hˆchste Repr‰ Repr‰ Repr‰ sentant des ˜ RK, Katholikos Aram I. von der armenischen apostolischen Kirche im Libanon. Die Kirchen m ¸ ssten —Boten des FriedensÏ werden, forderte der Berliner Bischof Wolfgang Huber in dem Gottesdienst, den internationale Mitwirkende mit Musik aus allen Kontinenten gestalteten. M‰ chtiger Gesang ¸ bert ˆ nte auch den Versuch eines rechtskonservativen St ˆ rers, in dem vom Fernsehen ¸ bertragenen Gottesdienst auf sich aufmerksam zu machen. Ein ruandischer Pastor liefl die Schrecken des B ¸ rgerkrieges in seinem Land aufleben, als er vom Tod seines Vaters durch die Hand seines besten Freundes berichtete. ˜RK-Generalsekret‰ r r r Konrad Raiser erinnerte daran, dass die Gewalt nicht nur in den anderen, son- Das brasilianische Tanztheater —Friede f ¸ r dieStadtÏ Rahmen der Er ˆ ffnung der weltweiten —Dekade zur ‹ Rat der Kirchen ( ˜ RK) f ¸ r das kommende Jahrzehnt a speziell f ¸ r den ˜ RK entwickelt. W‰ hrend der Dekad Welt reisen und die Dekade unterst ¸ tzen. Die Kampagne —Friede f ¸ r die StadtÏ wurde 1997ins Sie begann in sieben Groflst‰ dten: Rio de Janeiro, B Suva. Als einzige deutsche Stadt geh ˆ rt ihr Braunsch Berichten ¸ ber die Kampagne. Sie setzt k ¸ nstlerisch ‹ berwindung von Gewalt und der Schaffung einer Ku Vers ˆ hnung und der Erneuerung wechseln sich ab m Mitwirkende sind die Marcia Milhazes Danca ( Musiker) und die Sopranistin Juliana Franco. reformiert2/2001 . . . . . . . . . 5 . . . . . . Dekate gegen Gewalt dern —in uns allenÏ stecke. Im Haus der Kulturen der Welt zog das Marcia Milhazes Tanztheater aus Brasilien mit seinem St ¸ ck —Friede f ¸ r die StadtÏ das Publikum an. Seine ausdrucksstarken Mittel sind Musik, Gesang und Tanz. Die jungen Darsteller wollen sich des Lebens freuen und werden doch immer wieder durch Gewalterfahrungen daran gehindert. Die Zuschauer sahen und h ˆ rten, dass Frieden nicht vom Himmel f‰ llt, sondern erarbeitet werden muss. Vers ˆ hnung ist m ˆ glich, so die Botschaft des Balletts, aber unendlich m¸hsam. Die Gewaltfrage stand auch im Mittelpunkt der Sitzung des ˜ RK- Zentralausschusses in Potsdam, in deren Rahmen die Dekade- Er ˆ ffnung stattfand. Eine Bemerkung von Aram I., Gewalt als —letztes MittelÏ zur Beendigung von schweren Menschenrechtsverletzungen sei zu akzeptieren, rief viel Widerspruch hervor. Auch fanden es viele der 158 Mitglieder des Zentralausschusses emp ˆ rend, dass ausgerechnet auf dieser Tagung ein brisantes Papier zum Thema humanit‰ re Milit‰ reins‰ tze vorgelegt wurde. Darin wird ebenfalls Gewalt als —letztes MittelÏ akzeptiert. —Es gibt keine theologische Rechtfertigung von GewaltÏ, hielt die hannoversche Bisch ˆ fin Margot K‰ flmann dagegen. Das Papier wurde eiligst zur ¸ ckgezogen, noch bevor es offiziell diskutiert wurde. Selbst seine Bef¸rworter fanden das —TimingÏ nicht gerade geschickt. Die Idee der Dekade entstand auf einer Tagung des Zentralausschusses 1994 in Johannesburg. Bischof Stanley Mogoba regte an, nach dem ˜ RK- Programm zur Bek‰ mpfung des Rassismus ein Programm zur Bek‰ mpfung der Gewalt zu initiieren. Zwei JahÏ wurde im Berliner Haus der Kulturen der Welt im ‹ berwindung von GewaltÏ, die der ˜ kumenische ausgerufen hat, aufgef ¸ hrt. Marcia Milhazes hat es de wird die Tanzkompagnie mit dem St ¸ ck um die s Leben gerufen und gilt als Vorl‰ ufer der Dekade. Belfast, Boston, Colombo, Durban, Kingston und chweig an. Die Ballett- Suite beruht auf den h die Spannungen um, die beim Ringen um Kultur des Friedens entstehen. Themen der mit Bildern von Zerst ˆ rung und Tod. a Contemporanea ( Foto), das Trio Aquarius Foto: epd- Bild re sp‰ter entstand die ˆkumenische Kampagne —Friede f ¸ r die StadtÏ, mit der sich sieben St‰ dte in verschiedenen Weltregionen vernetzten und gemeinsame Strategien zur Bek‰ mpfung der Gewalt in ihren St‰ dten ausarbeiteten. Wieder zwei Jahre sp‰ ter nach Beendigung der Dekade —Kirchen in Solidarit‰ t mit den FrauenÏ wurde auf der Vollversammlung in Harare ( Simbabwe) die Idee der Dekade gegen die Gewalt geboren. Sie wird die Mitgliedskirchen sicher l‰ nger als die n‰ chsten zehn Jahre besch‰ ftigen. Das aktuelle Stichwort Dekade zur ‹berwindung von Gewalt Der ˜ kumenische Rat der Kirchen ( ˜ RK) in Genf hat die Jahre 2001 bis 2010 zur weltweiten —Dekade zur ‹ berwindung von GewaltÏ erkl‰ rt. Ziel der Dekade ist es, das Eintreten gegen Gewalt sowie f ¸ r Frieden, Gerechtigkeit und Vers ˆ hnung zum Schwerpunkt der kirchlichen Arbeit in den kommenden zehn Jahren zu machen. Die Initiative dazu ging von der Vollversammlung des ˜ RK 1998 in Harare ( Simbabwe) aus. Gewalt sei ein weltweites Problem, zu dem die Kirchen nicht schweigen d ¸ rften, hiefl es damals zur Begr ¸ ndung. Im Rahmen der Dekade will der Weltkirchenrat unter anderem Studienauftr‰ ge vergeben, um die Wurzeln von Gewalt aufzudecken. Ferner sind Kampagnen gegen Gewaltt‰ ter sowie Aufkl‰ rungsinitiativen ¸ ber den Wert und die W ¸ rde menschlichen Lebens geplant. Friedensinitiativen sollen st‰ rker miteinander vernetzt werden. Die Kirchengemeinden sind aufgerufen, vor Ort eigene Projekte zu begr ¸ nden. Dem ˜ KR geh ˆ ren derzeit 342 christliche Kirchen aus mehr als 100 L‰ ndern an. Die vorangegangene Dekade —Kirchen in Solidarit‰ t mit den FrauenÏ endete 1998. Ihr Anliegen sowie das vor mehr als 30 Jahren beschlossene ˜ RK- Programm zur Bek‰ mpfung des Rassismus sollen in der neuen Dekade fortgef ¸ hrt werden. ( epd) Auf die Suche nach Frauenpers ˆ nlichkeiten in Weimar macht sich vom 24. bis 27. Mai der Ausschuss f ¸ r Frauenarbeit in der Evangelisch- reformierten Kirche. Interessierte Frauen werden auf den Spuren der Groflherzogin Anna Amalia und ihrer Schwiegertochter Luise, der Groflherzogin Sophie und Christina Vulpius, Goethes Frau, durch die Stadt gef ¸ hrt, die als die Stadt Goethes und Schillers bekannt ist. In der K¸nstlervereinigung Bauhaus treffen die Reisenden Andrea Richter, Pastorin f¸r Frauenarbeit in Weimar. So werden die Frauen bekannten und weniger bekannten Schriftstellerinnen und K ¸ nstlerinnen begegnen und erfahren, wie Frauen heute in Weimar leben. Untergebracht sind die Reisenden im Hedwig- Pfeiffer- Haus. Information und Anmeldung bis zum 20. April in der Gesch‰ftsstelle der Gesamtkirchlichen Frauenarbeit, Postfach 13 80, 26763 Leer, Telefon: ( 04 91) 91 98 Ò 2 46. Frauen in Weimar 6 . . . . . . . . . reformiert 2/2001 Gemeindepartnerschaften . . . . . . Gemeindepartnerschaften sind keine Einbahnstraflen. G¸nter Baum beschreibt den Gewinn f¸r beide Seiten. —Die ˆ kumenische Existenz der Kirche stellt die Aufgabe, die Einheit der Kirche zu leben und so Zeichen zu setzen f ¸ r die Zusammen- geh ˆ rigkeit der Mensch- heit. Ï So heiflt es in der Erkl‰ rung —Mission - ˜ kumene - PartnerschaftÏ, die die Gesamtsynode unserer Kirche 1996 in M ˆ llenbeck verabschiedet hat. Eine Grund ¸ berzeugung zieht sich durch die ganze Erkl‰ rung: Kirche ist nicht Kirche, wenn sie nicht ˆkumenisch und missiona-risch lebt - und das gilt f ¸ r die Gesamtkirche genauso wie f ¸ r jede einzelne Ortsgemeinde. —In der Nachfolge Jesu Christi ist die Kirche... nicht ÎKirche f ¸ r sichÌ, auch nicht nur ÎKirche f ¸ r andereÌ, sondern zuerst ÎKirche mit anderenÌ. Ï Diese Grund¸berzeugung kann nicht blofle Idee oder hehrer Anspruch bleiben. ˜ kumenische Partnerschaften sind der Ort, wo sie f ¸ r die Gemeinden konkret und lebendig werden kann: —Die Einheit der weltweiten Christenheit wird in Partnerschaften von Kirchen und Gemeinden ¸ ber L‰ ndergrenzen hinweg gelebt.Ϙkumenische Partnerschaften geben der weltweiten Kirche ein Gesicht, viele Gesichter. Es wird erlebbar, dass die eigene Gemeinde, zu der ich gehˆre, Teil der weltweiten Christenheit st. Gemeindepartnerschaften sind mehr als ein auswechselbares Beispiel, an der man die weltweite ˜kumene verdeutlichen verdeutlichen kann. Wenn sie gelingen, stehen im Mittelpunkt die Begegnungen - auch wenn die Reisen manchmal teuer sind. Aber nur so wachsen verl‰ ssliche Beziehungen, entsteht geistliche Gemeinschaft, werden gemeinsame Herausforderungen entdeckt und Projekte in Angriff genommen. — ˜ kumenische Gemeinschaft gewinnt Gestalt, wo einander geholfen, voneinander gelernt und miteinander Gottesdienst gefeiert wird. Ï Von Sinn und Zweck ˆ kumenischer Gemeindepartnerschaften Der weltweiten Kirche ein Gesicht geben Dreifach wird in der Mˆllenbecker Erkl‰- rung vom —einanderÏ gesprochen: Partnerschaft braucht Gegenseitigkeit, braucht die gleiche Augenh ˆ he. Einander helfen Manch eine Partnerschaft hat mit dem starken Impuls begonnen, eine Gemeinde in einem ‰ rmeren Land ( finanziell) zu unterst ¸ tzen. Die Frage der Partner —Wo k ˆ nnen denn wir euch helfen? Was k ˆ nnen wir miteinander teilen?Ïirritiert dann zun‰chst, f f ¸ hrt aber oft zu klarerer Wahrnehmung der eigenen Situation, etwa der eigenen spirituellen Bed ¸ rftigkeit. Voneinander lernen Gesunde Neugier ist eine wichtige Voraussetzung f ¸ r Partnerschaftsarbeit. Dabei geht es nicht nur darum, etwas zu erfahren ¸ ber den kulturellen und gesellschaftlichen Kontext, in dem die Partner ihr Gemeindeleben gestalten ( und damit das Fremde am anderen besser zu verstehen). Im Gespr‰ ch ¸ ber Themen, die alle gemeinsam interessieren ( von Gottesdienstgestaltung etwa ¸ ber Kinder- und Jugendarbeit bis hin zum Umgang mit Rassismus und Gewalt), entstehen gerade durch die Konfrontation mit einer fremden, oft kritischen Sicht, Impulse f¸r den Gemeindeaufbau oder f ¸ r das politische Zeugnis im eigenen Land. Miteinander Gottesdienst feiern H ˆ hepunkte der Partnerschaftsarbeit sind Bibelarbeiten und Gottesdienste anl‰sslich von Begegnungsreisen. Aber auch in der Zeit dazwischen kann man Zeiten verabreden, in denen beide Gemeinden sich verbunden wissen durch eine gemeinsame Liturgie, Tage, an denen derselbe Bibeltext gepredigt wird, F ¸ rbittanliegen k ˆ nnen regelm‰ flig ausgetauscht werden. Gemeindepartnerschaften wollen nicht nur organisiert und beredet, sondern auch untereinander und vor Gott gefeiert werden. G ¸ nter Baum ist Pr‰ ses der Norddeutschen Mission. Foto: Axel Bargheer 7 reformiert 2/2001 . . . . . . . . . . . . . . . Gemeindepartnerschaften Von Jochen F‰hler —Man —Man iflt seinen Teller immer leer.Ï —Nimm dir nicht soviel auf einmal. Du kannst ja noch einmal nehmen.ÏSo hatten es unsere Eltern uns m¸hsam beigebracht. beigebracht. beigebracht. Und daran hatten meine Frau und ich uns auch wacker gehalten, als wir die Zentralregion der EET ( Evangelische Kirche von Togo) besucht haben, um die Regionalpartnerschaft mit der Evangelischreformierten Kirche in Bayern (Xl. Bezirk) vorzubereiten. Wir sind ja in Bayern Klˆfle ge wˆhnt - aber diese gewaltigen Fufu-Klˆfle h‰tte h‰tte h‰tte h‰tte wohl nicht einmal Franz Josef Straufl selig bei seinen unseligen Reisen nach Togo bezwungen. Wir haben. Immer jedenfalls - und waren sehr stolz darauf, dass wir so unsere Hˆflichkeit und unseren Respekt vor den Gastgebern sichtbar zum Ausdruck gebracht haben. Nicht, dass man denkt, uns w‰re Fufu nicht gut genug... In diesem Sommer nun wohnten der Inspecteur Pastor Amouzouvi und Frau Mouzou aus Sobouboua mehrere Tage bei uns zu Hause. Das schafft N‰he, und und von den geistlichen Hˆhen gehtÌs in den Alltag. Dabei kam es heraus: Unsere Gastgeber in Togo waren auch hˆflich gewesen, haben sich aber f ¸ r sich k ˆ stlich am ¸ siert ¸ber unseren Kampf mit dem Fufu. Sie haben unsere Bem¸hungen schon durchschaut - was beweist, wie wenig man sich wirklich gegenseitig vormachen kann. Und es gilt in Togo als geradezu unh ˆflich, den Teller ganz leer zu essen. Wovon sollen denn die Kinder in der K¸che satt werden, die das Geschirr sp¸len m¸ssen, wenn der Gast ihnen nichts ¸brig l‰flt? Das weifl ich also jetzt bei meiner n‰chsten Reise. Trotzdem wird es mir sehr schwer fallen, den Teller nicht leer zu essen. Ich f¸rchte, ich bin zu gut erzogen. Und eine zu gute Erziehung ist immer wieder schlecht f¸r das das das Verstehen einer anderen Kultur. Glosse Klˆfle Der Synodalverband Grafschaft Bentheim empfing im Mai 2000 eine Delegation der Karo-Batak- Kirche, Kirche, die Partnerkirche auf Sumatra des Synodalverbandes VI. Pastor Ahlerich Ostendorp reflektiert die ersten Erfahrungen dieser noch jungen Beziehung. —Der Kontakt des Synodalverbandes Dairi der Karo- Batak- Kirche zu uns ist dessen erste Auslandsbeziehung. Bei der ersten Begegnung auf dem Flughafen Amsterdam macht sich Unsicherheit und Verlegenheit breit. Womit beginnen? Wir sind uns ja noch fremd. Hinzu kommt eine schwierige Verst‰ ndigung auf Englisch. Beim Kaffee im Flughafenrestaurant l‰ sst die Anspannung ein wenig nach. Die G‰ ste stellen sich vor: Dr. Melky Tarigan ( Arzt und Presbyter), Martina Ginting ( Lehrerin und Presbyterin), Asnila Tarigan (Vikarin) und Philipus Tarigan ( Pastor). Mir f‰ llt auf, dass die Zusammensetzung der Delegation ganz auf der H ˆ he der ˆ kumenischen Zeit ist. Zwei M‰ nner und zwei Frauen, zwei Theologen und zwei Nichttheologen, und die Jugend ist mit der jungen Vikarin auch vertreten. Irgendwann auf der Autobahn beginnen die Vier zu singen. Manche Melodien sind mir aus unserem Gesangbuch bekannt, andere wirken fremd. Ich sp¸re, wir haben - bei aller Fremdheit unserer Kulturen - auch manches aus einer langen Tradition, was uns verbindet. Das ist ¸brigens ein Eindruck, der sich in vielen Begegnungen in den n‰ chsten knapp vier Wochen h‰ ufiger einstellen wird. In den folgenden Wochen wird deutlich, dass Partnerschaftsbesuche keine Urlaubsreisen sind, sondern Dienst f ¸ r die beteiligten Gemeinden. Allerdings bleiben viele Gespr‰ che und Erz‰ hlungen an der Oberfl‰- che und das hat zwei Gr ¸ nde. Zum einem: Wir sind uns noch fremd; haben unterschiedliche H ˆ flichkeitsformen, Indonesier sch‰ tzen eine gewisse Distanz und unsere Direktheit irritiert sie vermutlich mehr als wir ahnen. Zum anderen: In Englisch gelingt es kaum, Fragen und Probleme angemessen zu Erster Partnerschaftsbesuch aus Dairi, Indonesien, in der Grafschaft Bentheim Wo Jesus wirkt, werden aus Fremden Freunde erˆrtern.W¸rde man gute bis sehr gute Englischkenntnisse zur Voraussetzung f ¸ r eine Partnerschaft erkl‰ren, w¸rden zumindest in Indonesien ganze Regionen von ˆ kumenischen Beziehungen und von Partnerschaftsbeziehungen ausgeschlossen. Zwei Tage vor dem R ¸ ckflug bei der offiziellen Verabschiedung der G‰ sten herrscht eine entspannte und freundschaftliche Atmosph‰ re. Alle sp ¸ ren, die vergangenen Wochen haben uns einander n‰ her gebracht. Es ist wirklich so, wie es in einem Lied aus der Karo- Batak- Kirche heiflt: —Wo Jesus wirkt, werden aus Fremde FreundeÏ. Wir ¸ berlegen M ˆ glichkeiten, wie die Partnerschaft in unseren Gemeinden lebendig bleiben kann. Wir denken an einen j‰ hrlichen Partnerschaftsgottesdienst, an den Austausch von F ¸ rbitten und an Projekte, die wir unterst ¸ tzen k ˆ nnen. Ich war in diesen vier Wochen auch entt‰ uscht: manche Pastoren, Pastorinnen und Gemeindeglieder sind leider nicht neugierig auf Christen aus anderen L‰ ndern und Kulturen. So darf zum Beispiel bei einer Gelegenheit das Gruflwort unserer G‰ ste f ¸ nf Minuten (inklusive ‹bersetzung) nicht ¸berschreiten und und einigen Gemeindegruppen passt eine Begegnung mit den Karo- Batak- Christen nicht ins Jahresprogramm. Ï Martina Ginting und Asnila Tarigan besuchen den Kindergottesdienst im Gildehaus. Foto: Imke Ackermann- Dorn 8 . . . . . . . . . reformiert 2/2001 Gemeindepartnerschaften . . . . . . terkerk in Haarlem. Eine kleine Delegation ist zu Gast in diesem Bezirk der Nachbargemeinde, in der Gemeinden reformierter und altreformierter Herkunft zusammengeschlossen sind. Die Predigt h‰lt die deutsche Kirchenratsvorsitzende auf deutsch. Zwei Wochen sp‰ ter der Gegenbesuch mit umgekehrten Vorzeichen: Eine niederl‰ ndische Predigt in der Bergkirche, auf dem Liedblatt f ¸ r die Deutschen ¸ bersetzt, die wie erwartet die Sprache des Nachbarlandes nicht so gut beherrschen wie Niederl‰nder das Deutsche. Stimme in der Stadt Auch wenn die Distanz zwischen beiden St‰ dten relativ gering ist: zu lernen gibt es viel, nicht nur unterschiedliche Sprachen, sondern auch, wie verschieden Kirche in Europa existieren kann. In Haarlem pr‰gt die Silhouette der Grote oder St. Bavokerk, der reformierten Kirche im Zentrum, zwar das Stadtbild, aber f¸r viele Niederl‰nder ist das Interesse an dieser Kirche vor allem kunsthistorischer oder musikalischer Art. Die Grote Kerk beherbergt die ber ¸ hmte Orgel von Christian M ¸ ller aus dem Jahr 1738. Das Modell einer Kirche in s‰ kularisierter Umgebung ist in den Niederlanden viel weiter vorangeschritten als bei uns. Um unter diesen Umst‰ nden als Kirche erkennbar zu bleiben, sind andere Probleme dringlicher, werden andere Schritte n ˆ tiger als bei in Deutschland. —Stem in de StadÏ ( Stimme in der Stadt), ein von den ˆ kumenischen Kirchen Haarlems gegr ¸ ndetes diakonisches Zentrum inmitten der Stadt, ist ein Beispiel daf ¸ r, wie man eine Br ¸ cke zwischen Kirche und Gesellschaft bilden will. Dies und anderes l‰ sst sich gut besprechen, weil die mittlerweile zahlreichen Begegnungen schlicht von grofler Sympathie gepr‰ gt sind. Dies war so bei den —kleinenÏ thematischen Treffen und bei den —groflenÏ, bei denen die Gemeinden einmal im Jahr einen gemeinsamen Gottesdienst feiern. Die Grote oder St. Bavo Kerk pr‰ gt in Haarlem das Stadtbild. F ¸ r viele ist sie nu wegen der weltber ¸ hmten Orgel von Christian M ¸ ller interessant. Foto: Klaus Schagon Eine Partnerschaft im euorp‰ ischen Westen: Osnabr ¸ ck - Haarlem/ Niederlande Kleiner Grenzverkehr Die Entfernung zwischen den Partnergemeinden in Haarlem/Niederlande und und Osnabr¸ck ist gering im Vergleich mit Partnerschaften in ‹bersee.Zu lernen gibt es dennoch viel, beschreibt Klaus Schagon. Knapp 300 Kilometer trennen die beiden Gemeinden voneinander. Das ist immerhin so weit, dass schon mal ein Vorbereitungstreffen auf der H‰ lfte der Strecke quasi —konspirativÏ im Wohnwagen stattfindet, aber verglichen mit anderen Partnerschaften ist diese Entfernung nat ¸ rlich ein Katzensprung. Am 15. M‰ rz 1998 beginnt offiziell die Partnerschaft der Protestantse Gemeente te Haarlem und der reformierten Gemeinde Osnabr ¸ ck mit einem Gottesdienst in der Oos- 9 reformiert 2/2001 . . . . . . . . . Beziehungen brauchen pers ˆ nliche Begegnung Von Frauke Brauns —Alle Beteiligten sind sich dar ¸ ber einig, dass der Geldtransfer nicht die entscheidende Rolle in der Gemeinschaft der beiden Gemeinden spielen darf. Ï Das betonen Johann Hurink, Wiard M¸ntinga und G ¸ nter Baum in ihrem Bericht ¸ ber die Gemeindepartnerschaft zwischen der evangelisch- reformierten Gemeinde Osnabr¸ck und der Gemeinde Sebokeng der United Reformed Church of South Africa ( URCSA). Zwar ¸ berweist die Osnabr ¸ cker Gemeinde bis 2001 j‰hrlich einen Betrag von 6000 Mark nach Sebokeng, aber einander kennen lernen, um die Situation und das Leben der anderen zu wissen, steht im Mittelpunkt der mehr als zehn- j‰ hrigen Freundschaft. Noch zu Zeiten der Apartheid initiiert, r¸ckten die Probleme der Schwarzen in S¸dafrika schnell schnell schnell in den Blick der deutschen Gemeinde. Das Interesse an S¸dafrika nahm zu, die Probleme des Landes wurden konkreter und kamen n‰her.Nur kurze Zeit nach dem Besuch einer Delegation hier wurde Dora Chakas, eine der Besucherinnen, in ihrer Heimat ermordet. Die privaten Beziehungen, die w‰hrend des Aufenthaltes gekn¸pft worden worden worden waren, lieflen diesen Mord und die brutale Situation der Rassentrennung in S ¸ dafrika bis heute deutlich in Erinnerung bleiben. Gegenseitige Besuche jedoch sind selten, auch wenn lebendige Partnerschaft Probleme erhalten ein Gesicht durch die pers ˆ nliche Begegnung entsteht. Zwischen den Besuchen halten Gemeindegremien, Gemeindegruppen und Gemeindegliedern durch Briefwechsel und Telefonate den Kontakt aufrecht. Auflerdem feiern beide Gemeinde an einem Sonntag im Jahr einen Partnerschaftsgottesdienst, bei dem sie vorher Lesungen, Predigttext, Lieder und Gebetsanliegen miteinander absprechen. Die F ¸ rbitten in den sonnt‰ glichen Gottesdiensten sowohl in Osnabr ¸ ck als auch in Sebokeng beziehen die Partnergemeinde ein. Ein Partnerschaftsausschuss in jeder Gemeinde koordiniert und regt Aktivit‰ ten an. Mit dieser vielf‰ ltigen Ausgestaltung der Partnerschaft konnte einem Wunsch der Organisation Beleydende Kring, die den Kontakt vermittelte, entsprochen werden: die durch ihre politischen Aktivit‰ ten gef‰ hrdeten die Gemeinde Sebokeng, und ihr Pastor sollte Unterst ¸ tzung erhalten. Die ˜ ffentlichkeit internationaler Solidarit‰ t, das Gebet und die j‰ hrliche ‹ berweisung waren wichtig, da die weifle reformierte Kirche der Gemeinde jegliche Unterst ¸ tzung entzogen hatte. . . . . . . Gemeindepartnerschaften Ganz selbstverst‰ ndlich tanzten die G‰ ste aus Sebokeng w‰ hrend des Gemeindefestes der Osnabr ¸ cker Atterkirche mit. Foto: Gemeinde Osnabr ¸ ck Mitglieder einer Groflfamilie Partnerschaften machen weltweite christliche Gemeinschaft erlebbar Seit zehn Jahre besteht die Partnerschaftsarbeit zwischen dem Zentralen Synodalverband, dem —Central PresbyteryÏ, der Evangelical Presbyterian Church Ghana und dem Synodalverband IV der Evangelisch- reformierten Kirche. Edzard Busemann-Disselhoff reflektiert ¸ber den Sinn dieser Arbeit: —Durch ein grofles Fenster am Flughafen in Bremen sehe ich, wie das Flugzeug ¸ ber die Startbahn rast, langsam abhebt, immer h ˆ her steigt und schliefllich in den Wolken verschwindet. Mehrere Wochen hatten wir G‰ ste aus Ghana. Es war eine ausgef ¸ llte Zeit. Noch auf der R ¸ ckfahrt von Bremen nach Ihrhove sp ¸ re ich ein wenig Wehmut ¸ ber den Abschied von unseren G‰ sten und zugleich denke ich an viele Ereignisse und Begebenheiten unserer bisherigen Partnerschaftsarbeit nach. Dabei werden mir drei Punkte wichtig: Einander sehen Durch diese Partnerschaft bekommen wir als Christinnen und Christen aus zwei verschiedenen Kontinenten, Kulturen und Traditionen f ¸ reinander ein konkretes Gesicht. Wir sp ¸ ren und erleben die weltweite christliche Gemeinschaft. Wir verbinden sie mit Namen, Begegnungen und gemeinsamen Erfahrungen. Bei allen Fremdheitserfahrungen ist es wohl eine St‰ rke dieser Arbeit, dass solche Erfahrungen eingebettet sind in langfristige Beziehungen des Vertrauens. Auch wenn wir uns nicht immer von Angesicht zu Angesicht sehen, so haben wir einander doch gedanklich —immer im BlickÏ. 10 . . . . . . . . . reformiert 2/2001 Gemeindepartnerschaften . . . . . . Einander verstehen Durch die Partnerschaftsarbeit hat in vielen unserer Gemeinden die Sensibilit‰ t f ¸ r das Leben in einer evangelisch- presbyterianischen Kirche in Afrika ( Ghana) zugenommen. Die Gottesdienstform unserer Partner nehmen viele bewusst wahr. Wir feiern einmal im Jahr einen gemeinsam vorbereiteten Partnerschaftssonntag, —Frauen und Kinder in AfrikaÏ, —Verschuldung der Entwicklungsl‰ nderÏ, —Alte Menschen in Ghana und DeutschlandÏ und andere Themen diskutieren verschiedene Gemeindekreise. Das Interesse an der Projektarbeit ( insbesondere in unserem Partnersynodalverband) stieg ebenso, wie die Spendenfreudigkeit. Deutlich wurde in der bisherigen Arbeit, dass die pers ˆ nlichen Begegnungen Diskussions- und Lernprozesse stark gef ˆ rdert haben. Einander beistehen Dies geschieht zun‰ chst einmal in der F ¸ rbitte der Gottesdienste. Durch die Gottesdienste, insbesondere auch durch den j‰ hrlichen Partnerschaftssonntag, wird das gemeinsame Fundament bewusst. Wir s t e h e n einander aber auch bei, indem wir versuchen, den Fragen der anderen nicht a u s z u w e i - chen, sondern uns ihnen zu stellen, um so ein Lernen zu erm ˆ glichen. Und wir helfen einander bei der Bew‰ ltigung von Aufgaben, auch mit materieller Hilfe. Miteinander als Christinnen und Christen leben lernen in der eine Welt ist ein m ¸ hsamer, aber lohnender Weg. Pastor Mensah aus unserem Partnersynodalverband sagte in einem Gottesdienst in Ihrhove: —Als Mitglieder einer Familie brauchen wir unsere gegenseitige Liebe. Wir m ¸ ssen zusammenkommen, um uns gegenseitig zu st ¸ tzen, materiell als auch geistlich. Ï Nicaragua ist ein von politischen und Naturkatastrophen geplagtes Land und arm. Wie Christen aus diesem Teil der Welt bei ihren Besuchen deutsche Perspektiven ver- ‰ ndern, beschreibt Lothar Weifl. Jugendliche Mitarbeiterinnen der Iglesia Luterana de Nicaragua ( Protestantische Kirche Nicaraguas) sind inzwischen im Synodalverband gern gesehene G‰ ste. Kontinuierliche Begegnungen und intensive ˜ ffentlichkeitsarbeit haben Neugierde und teilnehmende Aufmerksamkeit geweckt gegen ¸ ber Menschen, die unter einem brutalen Wirtschaftssystem und ˆ kologischer Ausbeutung leiden. Es ist ¸berraschend f¸r jugendliche und erwachsene Gemeindeglieder, wenn sie die Nicaraguenser Studenten, Sch¸ler, Campensinos in Aktion erleben: im Kindergarten, Seniorenkreis, Jugendkeller, bei der Pfarrkonferenz, im Gottesdienste, bei Gemeindefesten. Da ist nichts von Sch¸chternheit, falscher Bescheidenheit oder Selbstmitleid zu sp¸ren.Zum Thema Schuldenerlass, von uns als groflartige Solidarit‰ tskampagne bezeichnet, holten uns unseren Freundinnen auf den Boden der Tatsachen zur ¸ ck: —Jahrzehntelang haben Europ‰ er und Nordamerikaner unser Land ausgeschlachtet und nun auf einmal wird nur noch ¸ber unsere Schulden geredet. Warum sagt niemand etwas dar¸ber, was ihr als Europ‰er uns schuldet.Ï Auf Fragen, wie es denn Nicaragua mit dem Umweltschutz und Agenda 21 halte, bekamen wir folgende Antwort —Erst wenn es durch eure Hilfe m ˆ glich ist, dass in Nicaragua Kinder wieder menschenw ¸ rdig aufwachsen und f ¸ r die meisten Menschen der Lebensunterhalt f ¸ r den n‰ chsten Tag gesichert ist, erst dann wird man die Mehrzahl der Bevˆlkerung f¸r den Umweltgedanken gewinnen k ˆ nnen. Ï Unsere Besucherinnen aus Nicaragua verlieren schnell das Image von —ExotenÏ. Eine Besucherin des Jugendkellers meinte —Als ich Nicaragua h ˆ rte, dachte ich, da k‰- men Leute von einem anderen Stern, Bettler und Hungerleider. Aber jetzt merke ich, das sind ja ganz normale Menschen, die auch nur menschenw ¸ rdig leben wollen. Ï Trotz einiger Sprachprobleme hinterlassen die Begegnungen Spuren, wie zum Beispiel bei einem Kirchenratsmitglied: —Wenn ich h ˆ re, unter welchen schlimmen Bedingungen Nicaraguenser leben, lernen und arbeiten m ¸ ssen, ¸ berlege ich es mir jetzt dreimal, bevor ich mich ¸ ber meine eigene Situation beklage. Ï Was bei den Gespr‰ chen zwischen Christen aus Nicaragua und Bovenden immer wieder nachhaltig beeindruckt, besonders kirchenkritische Jugendliche aus unserer Region, ist der unersch ¸ tterliche und unaufdringliche Glaube unserer Freundinnen aus Nicaragua. Birte, eine eher skeptische junge Frau, bringt es auf den Punkt —Ich staune ¸ ber die Nicaraguenser, die blind glauben, was in der Bibel geschrieben steht. Aber ich weifl auch, es ist dieser starke Glaube, der ihnen die Kraft zum Oberleben gibt, und diesen Glauben m ˆ chte ich ihnen nicht nehmen. Deshalb ist es gut, so wie es ist. Ï K ˆ nig Bansah, Pastor Mensah und Pastor Edzard Busemann- Disselhoff verlassen nach einem gemeinsamen Gottesdienst die Kirche in Ihrhove. Foto: privat Jugendliche aus Nicaragua und Bovenden erlebten ‹ berraschendes miteinander. Foto: Lothar Weifl Perspektiven ver‰ndern Gemeindeglieder Gemeindeglieder aus Nicaragua ‰ uflern ihre Meinung zu weltpolitischen Themen 11 reformiert 2/2001 . . . . . . . . . Von Frauke Brauns —Zwei DingeÏ, findet Martin Weicker, —k ˆ nnen wir von unseren Partnern in Togo lernen: die Gottesdienste dort sind lebendig, gef ¸ llt mit Singen und Tanzen und im Alltag h‰ lt die Gemeinde eng zusammen. Ï Der Geograph und ehemalige Entwicklungshelfer vertritt seine Bayreuther Gemeinde im Synodal-Partnerschaftsausschuss.In dieser Funktion k ¸ mmert er sich um die Partnerschaft des Synodalverbandes XI (Bayern) mit mit der Kirche im afrikanischen Togo. Mehrmals ist er in den vergangenen zehn Jahren den Afrikanern begegnet. Jedes Mal war er von dem Engagement der Laien in Gemeinde und Kirche beeindruckt. —Ohne Katecheten und Laienprediger k ˆ nnten die Gemeinden dort nicht ¸ berleben. Sie sind wichtiger als die PastorenÏ, betont er. In dem Gebiet, dass Weicker besuchte, gibt es f ¸ r 33 Gemeinden nur drei Pastoren. 25 Laienprediger sorgen daf ¸ r, dass regelm‰- flig Gottesdienste gefeiert werden k ˆ nnen und dass das Gemeindeleben funktioniert. Mitarbeit in der Gemeinde scheint ein Akt der Solidarit‰ t zu sein, so wie die Hilfe untereinander. Da es keine Sozialhilfe in Togo gibt, ist diakonische Hilfe wichtig und normal. Auch die Sorge, dass junge Leute eine Ausbildung und einen Arbeitsplatz erhalten, tr‰ gt die Allgemeinheit des Dorfes. Diese gegenseitige Hilfe habe historische Wurzeln, so meint Martin Weicker. Als die Bauern noch in den Regenw‰ ldern auf Jagd gingen und gegen den Urwald bestehen mussten, war die F ¸ rsorge f ¸ r den anderen auch wichtig f ¸ r das eigene ‹ berleben. Andererseits mˆchte der Presbyter Weicker den Partnern mehr Struktur vermitteln, die das ‹ berleben sichern kann. Materielle und finanzielle Hilfen seien notwendig, um wirtschaftliche Bedingungen zu verbessern. Aber Entwicklungszusammenarbeit ist f ¸ r ihn nur ein Nebenaspekt der Gemeindepartnerschaft. Immer wieder kommt er im Gespr‰ ch das gemeindliche Leben zur ¸ ck. Den Ausdruck, den Menschen in Togo f ¸ r ihren Glauben finden, begeistert ihn. —Dort m ¸ ssen sie sich mit dem Heidentum und mit animistischen Traditionen auseinandersetzenÏ, erz‰hlt er. Und er hat immer wieder erlebt, wie Afrikaner das Christentum als Befreiung von der Macht des spirituellen F ¸ hrers des Dorfes sehen. Gerne w¸rde er diese Lebendigkeit in die deutsche Gemeinde vermitteln. Aber er hat hier bisher keine Ver‰ nderungen festgestellt und keinen Kreis gefunden, der andere Gottesdienstformen umzusetzen w ¸ rde . —Singen und Tanzen verbindet und braucht keine Sprache. Ï So wie er sich in den Gottesdiensten in Togo trotz franz ˆ- sischer oder einheimischer Sprache zurecht fand, k ˆ nnten lebhafte Gottesdienste in Deutschland mehr Menschen in die Kirche locken. —Wenn mehr Jugendliche am Austausch mit den Partnern teilnehmen, kann eine Ver‰ nderung hier leichter gelingenÏ, denkt Martin Weicker. Jugendliche bringen selbst- Martin Weicker ist ¸ berzeugt, dass deutsche Gemeinde viel von Partnerschaften profitieren k ˆ nnen Singen und Tanzen braucht keine Sprache Vor der Bethlehem- Kirche, der Hauptkirche in Sokod». Foto: Martin Weicker verst‰ ndlicher in der Gemeinde ein, was ihr Leben ver‰ ndert und beeinflusst. Das Heft umfasst die Grundsatzerkl‰ rung zum Thema, die die Gesamtsynode 1996 in Mˆllenbeck verabschiedet hat, die Leitlinien der Evangelisch- reformierten Kirche f ¸ r die Gestaltung ˆ kumenischer Partnerschaften ( die unter anderem bei Zuschussantr‰ gen beachtet sein wollen) sowie ein Gruflwort an die Synode von Jan de Waal, Pastor der URCSA, S ¸ dafrika. Durch die Dreisprachigkeit ist es gut geeignet auch f¸r das das das Gespr‰ch mit auflerdeutschen Partnern. Grenzen ¸berwinden.Texte der Gesamt- Buchtipp synode der Evangelischreformierten Kirche zum Themenbereich —Mission - ˜ kumene - PartnerschaftÏ ( Leer 1997, dreisprachig dt., engl., franz., Bezug kostenlos ¸ ber den Synodalrat) gb 12 . . . . . . . . . reformiert 2/2001 Gemeindepartnerschaften . . . . . . Die Gemeinde Bovenden unterh‰ lt eine Gemeindepartnerschaft zu T¤tv·szony in Ungarn. Jedes Jahr nehmen Jugendliche dort an einem Jugendbegegnungsprojekt teil. Peter Grigoleit berichtet ¸ber seine Auswirkungen auf das Leben der Gemeinde. Jugendliche machen vielf‰ ltige Erfahrungen bei der Partnergemeinde in Osteuropa —In Ungarn sehe ich, was ich wirklich zum Leben braucheÏ —Ob meine N‰ he zur Gemeinde von der Ungarnarbeit her kommt, oder ob ich dort und in der Gemeinde mitarbeite, weil ich sowieso schon offen f¸r diese Dinge bin, das weifl ich nicht so genauÏ, erkl‰ rt Sarah. Mit vielen anderen Jugendlichen der Gemeinde Bovenden teilt sie das Erlebnis, in Ungarn am Aufbau eines ˆ kumenisch- diakonischen Jugendbegegnungszentrum mitzuarbeiten. Seit 1992 helfen die Bovender Jugendlichen in T¤tv · zsony/ B · l · ton beim Umbau eines ehemaligen Guts- und sp‰ teren Pfarrhauses zum Begegnungszentrum mit. Vor Ort leitet Pastor Szil · gyi P · l das Projekt. Bei diesen Arbeitseins‰tzen kommt es gelegentlich auch zu internationalen Kontakten mit Jugendgruppen aus den Niederlanden, der Schweiz oder anderen Gegenden Deutschlands. Neben den Arbeitseins‰ tzen begegnen die Ungarn- Reisenden dort Sch ¸ lern und Mitgliedern des Schulkammerchors des reformierten Gymnasiums in P · pa. Etwa alle zwei Jahre besucht dieser Kammerchor die Gemeinde in Bovenden. Dann sind die Sch¸- ler in den Familien der hiesigen Jugendlichen untergebracht. Bei gemeinsamen Reisen durch das Land lernen sie sich kennen. Au- flerdem bringen die jungen Leute aus Ungarn ihr musikalisches K ˆ nnen im Gottesdienst zu Geh ˆ r. Eine —RentnerbrigadeÏ aus pensionierten Handwerkern, die regelm‰ flig mit Pastor Gottfried Niemann nach Ungarn reist, unterst ¸ tzt mit ihren handwerklichen Fachkenntnissen den Fortgang des Umbaus. Neben der Arbeit lernen auch sie das Land und die ungarische Lebensart kennen. Damit die Bovender Gemeinde ¸ber den Fortgang der Arbeiten in T¤tv · zsony informiert bleibt, reist Pastor Szil · gyi P · l einmal im Jahr hierher. Zu den —Ungarischen AbendenÏ kommen dann nicht nur Jugendliche und Rentnerbrigade, sondern auch viele interessierte Gemeindeglieder. Daran wird deutlich, dass die Begegnungsarbeit mit Ungarn inzwischen die ganze Gemeinde interessiert. Die an den Ungarnbegegnungen beteiligten Jugendlichen bezeichnen ihr Verh‰ ltnis zur Gemeinde als offen und herzlich. Sie sehen sich selbst als Teil der Gemeinde, zu der Erwachsene und Jugendliche gleichermaflen geh ˆ ren. —Ich kenne viele Erwachsene in der Gemeinde, und ich bringe mich auch gerne an Stellen im Gemeindeleben ein, die mit Jugend so direkt nicht unbedingt etwas zu tun habenÏ, sagt Sarah, und Antje erg‰ nzt: —Ich empfinde das auch als ganz nat ¸ rlich, auch wenn ich weifl dass andere Jugendliche ein viel distanzierteres Verh‰ ltnis zur Kirche haben. Ï F ¸ r Heike ist —an den Begegnungen in Ungarn besonders wichtig, dass ich dort sehe, was ich wirklich zum Leben brauche: N‰ mlich nicht den Wohlstand, sondern das Zusammensein mit anderen Menschen. Ï Jugendliche, die beim Aufbau des Jugendbegegnungszentrums in Ungarn mithelfen, entwickeln ein besonderes Verh‰ ltnis zu ihrer Heimatgmeinde. Foto: Peter Grigoleit Dieses Buch ist das Standardwerk zum Thema Partnerschaften. Lothar Bauerochse hat ¸ ber mehrere Jahre hin die Partnerschaftsarbeit verschiedener Gemeinden in Deutschland begleitet und anschlieflend seine Doktorarbeit dar ¸ ber geschrieben. Er beobachtet sehr genau, zeigt Chancen und Probleme der Partnerschaftsarbeit auf und stellt das Thema in den Zusammenhang der ˆ kumenischen theologischen Debatte. Lesenswert f ¸ r alle Partnerschaftsgruppen, die sich einer kritischen Diskussion stellen m ˆ gen. Interessenten sollten sich vom Umfang von 490 Seiten nicht ab- schrecken lassen. Lo t h a r Bauerochse, Miteinander leben lernen. Zwischenkirchliche Partnerschaften als ˆ k u m e n i - sche Lerngemeinschaften. Erlangen 1996, 40 Mark gb Buchtipp 13 reformiert 2/2001 . . . . . . . . . Axel Bargheer, Pastor der evangelischreformierten Gemeinde Melle, ist vom Moderamen der Gesamtsynode mit der Vertretung der Pfarrstelle f ¸ r —Verstreute ReformierteÏ beauftragt worden. Die Beauftragung gilt f ¸ r die Zeit des Erziehungsurlaubes von Frauke Kabuth, der Pastorin f ¸ r —Verstreute ReformierteÏ bis 2002. Axel Bargheer ist unter folgender Anschrift zu erreichen: Bleichweg 7, 49324 Melle, Telefon: ( 0 54 22) 22 25. Verstreute Reformierte Vertretung . . . . . . Nachrichten Impressum . . . . . reformiert ist die Mitgliedszeitung der Evangelisch- reformierten Kirche ( Synode ev.- ref. Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland) f ¸ r alle verstreuten Reformierten und wird an diese kostenlos verteilt. reformiert kann aber von allen interessierten Leserinnen und Lesern bezogen werden. Wenden Sie sich an: Herausgeberin: Evangelisch- reformierte Kirche ( Synode ev.- ref. Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland), Saarstrafle 6, 26789 Leer, Tel. 0491 / 9198- 0, Fax 0491 / 9198- 240 pschmidt@ reformiert. de Verantwortlich f ¸ r den Inhalt: Jann Schmidt ( js) Redaktionsbeirat: Axel Bargheer, Klaus Br ˆ henhorst, Susanne Eggert, Andreas Flick, Walter Herrenbr ¸ ck, Jann Schmidt, Burkhart Vietzke Redaktion und Layout: Frauke Brauns ( fra) Postfach 10 07 42, 33507 Bielefeld Telefon: ( 05 21) 2 70 39 30, Fax: 2 70 39 33, redaktion@ fra- aktiv. de Druck und Vertrieb: Druckerei A. Bretzler, Boltentorstrafle 36, 26721 Emden Auflage: 43.500 Exemplare Kontonummer f ¸ r Spenden: Evangelisch- reformierte Kirche, Konto- Nr. 90 60 08 bei der Sparkasse Leer- Weener ( BLZ 285 500 00). F ¸ r Ihre Spende erhalten Sie eine Spendenquittung. Einsendeschlufl der Artikel f ¸ r reformiert 3/ 2001: 2. April 2001 Erscheinungstermin der n‰ chsten Ausgabe: 29. April 2001 Zu Beginn eines jeden Jahres macht sich der —Gespr‰ chskreis f ¸ r junge ErwachseneÏ der Hamelner Kirchengemeinde auf zum —KloatscheetenÏ, auch unter dem Begriff —BosselnÏ bekannt. Sechs Gemeindeglieder, die aus der Grafschaft stammen, haben diese Tradition hier eingef ¸ hrt. Und so zogen sie auch in diesem Januar wieder mit Hund —UrmelÏ, Bollerwagen und diversen Erfrischungen durch die Felder. Auf dem dreist ¸ ndigen Weg warfen sie den Holz- Kloat, den Urmel wieder zum Ausgangspunkt apportierte. Dennoch gelang es, einen Sieger zu ermitteln: Nach spannendem Spiel gewannen die —RotenÏ gegen die —Gr ¸ nenÏ mit 3: 2. Der K ˆ nigswurf gelang Werner Plangemann. Den Abschluss bildete dann das Gr ¸ nkohl- Essen, bei dem er Termin f ¸ r das n‰ chste Kloatscheeten auf den 12. Januar 2002 festgelegt wurde. Foto: privat Quer durch die Felder Der Missionstheologe Theo Sundermeier hat die in der EKD viel beachtete Grundsatzerkl‰ rung der Evangelischreformierten Kirche (Mˆllenbeck 1996) stark beeinflusst. In dieser Aufsatzsammlung macht er an vielen Beispielen klar, was von afrikanischen Religionen, von afrikanischen Gemeinden und afrikanischer Theologie zu lernen sein k ˆ nnte. Besonders lesenswert sind —Die zehn Gebote der PartnerschaftÏ ( Seite 113 bis 133). Theo Sundermeier, Aus einer Quelle schˆpfen wir. Von Afrikanern lernen. G¸tersloh 1992, 1992, 1992, 24,80 DM gb Buchtipp 14 . . . . . . . . . reformiert 2/2001 Nachrichten . . . . . . Von Frauke Brauns und Jann Schmidt Sechs Jahre dauert eine Legislaturperiode in der Evangelisch-reformierten Kirche. Kirche. In den Gemeinden hat die neue Amtszeit der Gremien bereits im November und Dezember mit den konstituierenden Sitzungen der Kirchenr‰te begonnen. In den Synodalverb‰ nden beginnt die neue Legislaturperiode in diesen Tagen. Die Synoden kommen zusammen, w‰hlen das Moderamen, den Pr‰ses oder die Frau Pr‰ses, bestimmen ihre Abgeordneten f¸r die Gesamtsynode und berufen Beauftragte f¸r besondere Aufgabenbereiche. Die Synodalverb‰nde spiegeln die regionale Geschichte der Evangelisch-reformierten Kirche. Kirche. Die Synoden in den verschiedenen Regionen wurden erst nach der Gr ¸ ndung der Kirche im Jahr 1882 eingerichtet. Vorher hatte ein Teil der Gemeinden als Synodalverband VIII Die Synode des achten Synodalverbandes kam zu Wahlen in der Pfarrscheune in Neuenkirchen zusammen. Dabei musste sie ¸ ber die Zusammensetzung des Moderamens, die Abgeordneten zur Gesamtsynode und einige Beauftragungen entscheiden. Von den 30 Synodalen nahm ein Drittel zum ersten Mal an einer Synode teil, weil im November vergangenen Jahres Kirchenratswahlen stattgefunden haben ( wir berichteten). Dennoch verliefen die Wahlen reibungslos. Der bisherige Pr‰ ses, Pastor Hans- Wilfried Haase ( L ¸ neburg), wurde einstimmig wiedergew‰ hlt. Zu seinem Stellvertreter berief die Synode Pastor Matthias Wulff ( Holflel). Als Nichttheologen geh ˆ ren die neugew‰ hlte Andrea Kaske ( Hamburg) und der wiedergew‰ hlte J ¸ rgen K ˆ pke ( Neuenkirchen) dem Moderamen zuk¸nftig an. Pastorin Ina Tempel, die in Rekum und Neuenkirchen wirkt, erg‰ nzt das Gremium. Als Abgeordnete in die Gesamtsynode entsendet der achte Synodalverband Pastor Friedhelm Stemberg ( Neuenkirchen), Clemens Langemeyer ( L ¸ neburg), Hilke Harms ( Bremerhaven) und Pastor Werner Keil ( Bremerhaven). Synodeverband IX Auch die Synode des Synodalverbandes IX bestimmte die Zusammensetzung ihres Moderamens neu. Als Pr‰ses wiedergew‰hlt wurde wurde Pastor Gottfried Niemann ( Bovenden). Zu seinem Stellvertreter machten die Synodalen Pastor Ulrich Klein ( Angerstein). Weitere Mitglieder des Moderamens sind Margitta Kolle ( Spanbeck), Ulrich Dube ( Bovenden) und Helmut Fichtner ( Northeim). Pastor Gottfried Niemann, Dr. Michael Benndorf (Eddigehausen), Dr. Herbert Asselmeyer (Angerstein) und Pastor Reinhard Sell ( Northeim) vertreten den Synodalverband Plesse in der Gesamtsynode. Zum Beauftragten f¸r ˜ffentlichkeitsarbeit ernannte ernannte die Synode Pastor Ernst-Ulrich G G ˆ ttges ( Hann.- M ¸ nden). Vier Synodalverb‰ nde w‰ hlten Moderamen und Vertreter in die Gesamtsynode Am Beginn einer neuen Legislaturperiode Bildzeile rechtlich selbst‰ ndige und eigenst‰ ndige Gebilde existiert, ein anderer Teil war in Inspektionen zusammengefasst, die ein (kˆniglicher) Superintendenten Superintendenten Superintendenten Superintendenten leitete. Die Evangelisch- reformierte Kirche ist also aus Gemeinden und Kirchengebieten entstanden, die vorher ¸ ber Jahrhunderte so gut wie nichts miteinander zu tun hatten. Daraus resultiert wohl auch die grofle Unterschiedlichkeit der einzelnen Synodalverb‰ nde: Die f ¸ nf ostfriesischen Synodalverb‰ nde leben in einer Gemengelage mit lutherischen Kirchenkreisen, die Gemeinden im Synodalverband Grafschaft Bentheim sind fl‰ chendeckend Volkskirche mit dominierendem Einfluss und die Synodalverb‰ nde VII bis XI leben in einer ausgesprochenen Minderheitensituation - allerdings in bewusster Fortf ¸ hrung ihrer teilweise langen Traditionen. Der kurze Blick in die Geschichte unterstreicht die Bedeutung der Synodalverb‰ nde und die Verantwortung des jeweiligen Moderamens. Es gilt, die Gemeinden der Region zusammenzuhalten und sie noch enger zusammenzuf ¸ hren. Es geht darum, gemeinsame Aufgaben in der Diakonie, in der Jugendarbeit, in der Kirchenmusik, in der Begleitung der Ehrenamtlichen - und nicht zuletzt auch in der Verwaltung - zu f ˆ rdern und auszubauen. Die Liste der Aufgaben f ¸ r die n‰ chsten sechs Jahre ist lang, die Verantwortung der Leitungsorgane grofl. Nur starke und geschlossen auftretende Synodalverb‰ nde k ˆ nnen Kirche in der Region und Kirche f ¸ r die Region sein. 15 reformiert 2/2001 . . . . . . . . . . . . . . . Vermischtes Die n‰ chste Ausgabe von reformiert erscheint am 29. April 2001. Sie hat das Schwerpunktthema —Freizeit, Tourismus, UrlauberseelsorgeÏ. Einsendeschluss f ¸ r Manuskripte ist der 2. April 2001. Die ¸ bern‰ chste Ausgabe von reformiert widmet sich dem Schwerpunktthema —Kirche und SchuleÏ. Im Rahmen der redaktionellen Bearbeitung beh‰ lt die Redaktion sich vor, Manuskripte und Leserbriefe zu k ¸ rzen. Ein Anspruch auf Ver ˆ ffentlichung unaufgefordert eingesandter Manuskripte besteht nicht. Vorschau Synodalverband X In Hannover traf sich die Synode des Synodalverbandes X zu ihrer Tagung. Dort w‰hlte sie Pastor Klaus Brˆhenhorst (Hildesheim) im im Amt des Pr‰ ses wieder. Als stellvertretende Frau Pr‰ ses beriefen die Synodalen Pastorin Aleida Siller ( Hannover). Au- flerdem geh ˆ ren Herbert Isensee ( Celle), Karin K ¸ rten ( Hannover) und Pastor Roland Trompeter ( M ˆ llenbeck) dem Moderamen weiterhin an. Zu Mitgliedern der Gesamtsynode w‰hlten die die Synodalen Pastor Roland Trompeter, Pastor Andreas Flick ( Celle), Karin K ¸ rten und Roland J ¸ rgensmeier ( Hannover). Bildzeile Bildzeile Bildziele Synodalverband XI Die Synode der Evangelisch- reformierten Kirche in Bayern hat Joachim Metten zu ihrem neuen Pr‰ses gew‰hlt.Der Pfarrer aus Herbishofen im Allg‰ u tritt die Nachfolge von Hartmut Wenzel an, der 21 Jahre lang den Reformierten in Bayern vorstand. Als neuer Assessor wurde Hartmut Dusse, Pfarrer in Marienheim, gew‰ hlt. F ¸ r die Finanzen bleibt Steuerberater und Wirtschaftspr¸- fer fer G ¸ nther Hetschko zust‰ ndig, der das Amt des Rechners schon seit ¸ ber 20 Jahren inne hat. 16 . . . . . . . . . reformiert 2/2001 Postvertriebsst¸ck DPAG Entgelt bezahlt H 12178 F Evangelisch-reformierte Kirche (Synode ev.-ref.Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland) Synodalrat, Saarstrafle 6, 26789 Leer Gedanken zum Thema Frauen und Gewalt : 1. Samuel 13 und 1. Mose 38 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gewalt, und immer wieder Gewalt. Das Fernsehen berichtet von Amoksch¸tzen und Kindesmisshandlungen. In der Zeitung lesen wir von brutaler Jagd auf farbige Menschen. Und dass die Frau aus der Nachbarschaft von ihrem Mann geschlagen wird, ist nicht zu ¸bersehen.Dagegen werden B¸ndnisse und Runde Tische aufgeboten, Projekte und Aktionstage geplant. Und nun hat auch der ˜kumenische Rat der Kirchen eine —Dekade zur ‹berwindung von GewaltÏ ausgerufen. Ist das alles notwendig und sinnvoll? Aus der Sicht von Frauen gesprochen: Ja! Der Kampf gegen Gewalt und die Frage nach ihren Wurzeln ist dringend geboten. Denn die 1998 zuende gegangene Dekade —Kirchen in Solidarit‰t mit den FrauenÏ hat bei aller Verschiedenheit von Frauenleben eines offenbar gemacht: Das Thema Gewalt verbindet Frauen weltweit. Die Erfahrungen gleichen sich, egal welcher Kultur, sozialem Umfeld oder welcher Konfession die Frauen angehˆren.Daher sehen Christinnen in der neuen Dekade eine konsequente Fortf¸hrung der alten —Frauen-DekadeÏ. Eine Zeitspanne von zehn Jahren ist erˆffnet.Ein langer Atem ist nˆtig, um die Ursachen von Gewalt zu bek‰mpfen.Ihre Wurzeln reichen tief, und ihre Auspr‰ gungen sind vielf‰ltig. Als Symbol f¸r die Bandbreite der von Frauen erlittenen Gewalt steht f¸r mich der biblische Name Tamar. Kennen Sie eine Tamar, oder gar beide Frauen, die diesen Namen tragen? Die eine Tamar - vergewaltigt von ihrem Bruder, der ihre schwesterliche F¸rsorge schamlos ausnutzt; und der kˆnigliche Vater schweigt zur brutalen Gewalt, die der Bruder ihr antut. Tamar bleibt zur¸ck, zerst ˆrt, wortlos, ohne Hoffnung auf Zukunft, auf Leben. Die andere Tamar - betrogen um m‰nnliche Nachkommen, um das Recht auf Schutz, Versorgung und W¸rde im Alter. Entrechtung, Gewalt, die ihr vom Schwiegervater zugef¸gt wird, ‰uflerlich ohne sichtbare Spuren, und dennoch zerstˆrerisch.Tamar wehrt sich, erk‰mpft sich ihr Recht mit List und Klugheit. Und Gott erweist sich als gerechter Richter zwischen ihr und dem Schwiegervater, indem er sie gleich mit zwei S ˆ hnen beschenkt. Tamar und Tamar - sie stehen f¸r die vielen subtilen Formen von Gewalt, denen Frauen auch heute noch ausgeliefert sind. Ob sexuelle Gewalt oder brutale Schl‰ge, ob die Verweigerung von Bildung und Arbeit oder von Erbrechten, sie alle sind dem¸tigend und erniedrigend. Sie verletzen die W¸rde von Frauen als Ebenbilder Gottes. Sicher, die Zeiten haben sich ge- ‰ndert seit den Tagen der Bibel. Frauen haben heute andere Mˆglichkeiten, sich zu wehren und sich nicht zu Opfern degradieren zu lassen, manchmal zumindest. Sie kˆnnen sich Bildung und Einfluss verschaffen und ihre Rechte einklagen, viele jedenfalls. Und es gibt heute M‰nner, die erkannt haben, dass sie zu Gewaltt‰tigkeit neigen und die dagegen ank‰ mpfen wollen, einige wenigstens. Doch ein Blick ¸ ber den eigenen begrenzten Erfahrungshorizont auf die Situation von Frauen ¸berall auf der Welt lehrt uns anderes. Da erscheint eine Dekade als verschwindend wenig, um Gewalt auch nur einzud‰mmen. —So tut man nicht in Israel!Ïmahnt Tamar ihren Bruder, um ihn vor der Tat zu warnen. Wo und auf welche Weise auch immer Menschen entw¸rdigt werden, wird Gottes Wille missachtet und sein Gebot verletzt. —So tut man nicht in Israel!Ï,nicht im Volk Gottes, nicht in der christlichen Gemeinde, und nicht in der weltumspannenden Gemeinschaft der Menschen, die alle, ob sie es wissen oder nicht, Sˆhne und Tˆchter Gottes Gottes Gottes sind. Brigitte Trompeter Tamar und Tamar